Gartennetzwerk meets Vogelwiese
Datum
11. Sep 2026
Autor
Lorena Wolf
Zu Besuch auf der Vogelwiese
Wie entsteht aus einer einfachen Wiese ein Ort, an dem gegärtnert, gelernt, gefeiert und Gemeinschaft gelebt wird? Bei seinem jüngsten Treffen war das Gartennetzwerk Westerfilde & Bodelschwingh zu Gast auf der Vogelwiese. Die Gemeinschaftsfläche liegt am Erlenkamp auf Höhe der Hausnummer 53 in Oestrich. Die Engagierten vor Ort nahmen sich viel Zeit, um von der Entstehung der Wiese, dem Alltag auf der Fläche und den vielen kleinen und großen Projekten zu erzählen, die hier in den vergangenen Jahre gewachsen sind.
Aus einer Wiese wird ein Treffpunkt
Die Idee, auf der Fläche gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, entstand 2019/2020. Schon zuvor wurde die Wiese gelegentlich für Feste genutzt. Anfang 2020 stellte Vonovia die Fläche schließlich kostenlos für 20 Jahre der Nachbarschaft zur Verfügung. Gerade während der Corona-Zeit bekam der neue Treffpunkt eine besondere Bedeutung: Das Vereinsheim, in dem man sich sonst getroffen hatte, war geschlossen – auf der Vogelwiese konnte die Gemeinschaft trotzdem zusammenkommen.
Seitdem hat sich einiges getan. Aus geschenktem Holz entstand in Eigenarbeit ein Bauwagen, in dem sich die Gruppe bis heute einmal im Monat trifft. Weil die trockenen Böden gerade zu Beginn eine Herausforderung waren, wurde zur Sicherung der Wasserversorgung sogar selbst ein rund 13 Meter tiefer Brunnen gebohrt.
Heute gibt es auf der Vogelwiese Gemüsebeete sowie zahlreiche Obst- und Laubbäume. Äpfel und Birnen wachsen hier ebenso wie Walnuss und Esskastanie. Auch Weinbeeren sind auf der Fläche zu finden. Viele der Obstbäume kamen über die Streuobstwiesenförderung Arnsberg hinzu. Wer selbst Lust auf ein Beet hat, kann ebenfalls nachfragen, solange beim Gärtnern auf chemische Mittel und invasive Pflanzenarten verzichtet wird.
Platz für Mensch und Tier
Bei der Pflege der Fläche wird die Natur bewusst mitgedacht. Beim Mähen bleiben einzelne Wiesenbereiche stehen, Totholz dient stellenweise als natürliche Abgrenzung und Obstbäume werden mit Gittern vor Rehen geschützt. Zahlreiche Vögel nutzen die Fläche und auch die Maulwürfe dürfen bleiben: Ihre Hügel liefern im Frühjahr gute Erde zum Pflanzen.
Auch Bienenvölker haben auf der Vogelwiese ihren Platz. Ein Imker betreut die Tiere, greift dabei jedoch möglichst wenig ein. Der Honig wird nicht geerntet, sondern bleibt bei den Bienen.
Zur Vogelwiese gehört ebenso die Zusammenarbeit mit der nahegelegenen Grundschule. Schülerinnen und Schüler nutzen die Fläche als außerschulischen Lernort rund um Natur und Nachhaltigkeit. Ein Beet wurde beispielsweise von einer dritten Klasse im Religionsunterricht bewirtschaftet und die geernteten Lebensmittel wurden anschließend gemeinsam verarbeitet. Auch eine Bank, die auf der Wiese steht, wurde von Grundschülern bunt gestaltet.
Gemeinschaft, die von vielen getragen wird
Was die Vogelwiese besonders macht, sind die Menschen dahinter. Jede und jeder bringt etwas anderes ein – von handwerklichem Wissen bis zu ganz praktischer Hilfe bei Gartenaktionen. Dann kommen schon einmal zehn bis zwölf Helferinnen und Helfer zusammen, teilweise unterstützt von Schulklassen.
Vieles wurde über Spenden und Förderungen möglich. Sträucher und Hecken wurden gespendet, über das Projekt „nordwärts“ kamen unter anderem Farben, Hölzer und das Grundgerüst für den Bauwagen hinzu. Nachdem vor einigen Jahren der Rasenmäher gestohlen wurde, finanzierte die Vonovia Stiftung Ersatz. Auch private Spenden helfen dabei, die Fläche weiterzuentwickeln.
Dabei ist die Vogelwiese längst nicht nur für die Aktiven selbst da. Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer legen hier eine Pause ein, Menschen sind mit ihren Hunden unterwegs, setzen sich zum Lesen auf die Wiese oder pflücken etwas Obst. Neue Kontakte entstehen oft ganz nebenbei – spätestens bei den gemeinsamen Festen und Veranstaltungen.
Genau solche Erfahrungen standen auch beim Besuch des Gartennetzwerks im Mittelpunkt. Denn das Netzwerk möchte die unterschiedlichen grünen Orte im Quartier miteinander ins Gespräch bringen, Wissen weitergeben und voneinander lernen.
Und die nächste Gelegenheit für einen Besuch gibt es schon bald: Am 3. Oktober findet auf der Vogelwiese wieder der Wiesen-Flohmarkt statt. Wer selbst mit einem Stand dabei sein möchte, kann sich vorher anmelden – eine Standgebühr fällt nicht an.
Impressionen des Tages
Könnte interessant sein